Montag, 7. August 2017

Rezension: Paul Watzlawick „Anleitung zum Unglücklichsein“


Paul Watzlawicks „Anleitung zum Unglücklichsein“ ist ein Buch, für das es den passenden Augenblick braucht, um es zu lesen. Und lesen bedeutet hier erleben, reflektieren, sich darauf einlassen. Denn das, was Watzlawick schreibt, setzt im Kopf etwas in Gang, das noch lange danach weiter arbeitet. Die „Anleitung zum Unglücklichsein“ ist aber kein melancholisches oder pessimistisches Buch, im Gegenteil. Ich konnte herzhaft lachen – und zwar über mich selbst, wenn ich mich zwischen den Zeilen wiedererkannte.


In meiner 1988 im Piper Verlag erschienenen Taschenbuchausgabe steht im Klappentext, dass dieses Buch ein „Kultbuch“ sei. „Es hält sich seit seinem Erscheinen im Jahr 1983 in den Bestsellerlisten und hat eine Auflage von über 1 Million Exemplaren erreicht. Die Geschichten, mit denen der Autor seine Leser zum Unglücklichsein anleitet – etwa die mit dem Hammer oder die mit dem verscheuchten Elefanten, sind inzwischen Allgemeingut.“ Das kann ich voll und ganz unterstreichen.

Vor allem eins: Dir selbst sei treu ...“

Viele von uns Menschen jagen beständig dem Glück hinterher, suchen oft verzweifelt nach einem Erfolgsrezept fürs Glücklichsein. In diesem Buch dreht der Autor den Spieß einfach um und hält dem Leser einen Spiegel vor. Ehrlich, ungeschönt, ja schonungslos – dennoch humorvoll. Mit viel Witz und Augenzwinkern beschreibt er, in welche Gedanken- und Verhaltensmuster man sich verstrickt, wenn es z. B. um die Lösung von zwischenmenschlichen Problemen geht. Watzlawick liefert keine strenge Analytik menschlicher Psyche, sondern tippt mit seinen kleinen, tiefgründigen Geschichten sanft ans Spiegelglas. Hin gucken muss man selbst, um zu erkennen, wie schnell aus Kleinigkeiten große Dramen wachsen können – nur aufgrund von Gedanken. Du bist, was du denkst.

Urlaub zu Hause ...

... und vielleicht bald wieder Zeit und vor allem Muse zum Bloggen.









Samstag, 1. Oktober 2016

Rezension: Tamara Ireland Stone "Mit anderen Worten: ich"



Anfangs dachte ich, jetzt habe ich eine dieser typischen amerikanischen Highschool-Romanzen erwischt, die nach einem festen Schema ihr Programm abspulen. Doch im Verlauf des Buches kam ein viel tiefgründigeres Thema zum Vorschein, das den Roman dann doch zu etwas Besonderem machte. In „Mit anderen Worten: ich“ beschäftigt sich die Autorin Tamara Ireland Stone mit Zwangsstörung bei Jugendlichen und zeigt auf sehr anschauliche und einfühlsame Weise, wie schwierig das Leben mit solch einer Erkrankung sein kann.

„Sommer-Sam“ trägt ein großes Geheimnis mit sich herum


Samantha ist 16, eine gute Schwimmerin und mit den beliebten Mädchen der Schule befreundet. Eigentlich traumhafte Voraussetzungen, um in der amerikanischen Highschool zu überleben. Doch das Mädchen leidet unter Zwangsstörungen. Keiner weiß davon, Samantha hält es geheim. In den Ferien geht es ihr relativ gut. Dann ist sie „Sommer-Sam“ und geht in ihrem Sport völlig auf. Sie hat sich im Griff. Doch sobald die Schule wieder beginnt, beginnen die Probleme. In ihrer Clique fühlt sich Samantha immer mehr als Außenseiterin - die „verrückte Acht“, die nur noch aus fünf aufgetakelten Mädchen besteht. Immer mehr merkt sie, dass das nicht ihre Welt ist.

Freitag, 23. September 2016

Rezension: Benjamin Spang „Blut gegen Blut“



Vampire, Werwölfe und Steampunk – neee; oder doch? Ehrlich gesagt hatte mir Benjamin Spangs Engagement auf Twitter den Anstoß gegeben, seinen Debüt-Roman zu lesen, da ich eigentlich nicht der Vampir-Werwolf-Leser bin. Aber der Autor kommt sympathisch rüber, macht intelligente und unaufdringliche Werbung – ich war neugierig. Und enttäuscht wurde ich nicht – eher überrascht. „Blut gegen Blut“ von Benjamin Spang ist ein spannender, amüsanter, emotionaler Roman, der mich überzeugt hat.

Schmerz und Blut


Seit Opas Tod leben Katrina Reichenlicht und ihre Mutter in einem der Walldörfer vor der Stadt Hofstein. Sie waren vor sechs Jahren aus Hellmark dorthin gezogen, um die Oma auf ihrem Bauernhof zu unterstützen. Doch statt trauter Familienglückseligkeit entwickelten sich die Dinge völlig anders. Katrinas Vater verschwand eines Tages, ihre Oma verstarb und ihre Mutter ertränkte ihren Schmerz im Alkohol. Katrina muss nun für den Lebensunterhalt der beiden Frauen sorgen. Sie repariert Zeppeline, was ihr zum Glück jede Menge Spaß macht. Die Probleme in ihrer Familie kann Katrina allerdings kaum ertragen. Sie ritzt sich die Haut auf, spürt den Schmerz, sieht das Blut – nur das kann sie manchmal beruhigen.

Sonntag, 7. August 2016

Rezension: Yoko Ogawa "Das Geheimnis der Eulerschen Formel"



Warum sollte sich jemand, der lieber vor der Mathematik davon läuft, für Yoko Ogawas Roman „Das Geheimnis der Eulerschen Formel“ begeistern können? Vielleicht weil diese Geschichte einen Zauber besitzt, der jeden ergreift – und Zahlen tatsächlich ihren Reiz haben? Eines steht für mich fest: Yoko Ogawas Buch ist ein wahrer Schatz, ein Kunstwerk – sowohl sprachlich, als auch mathematisch.

Wer sind Sie und was machen Sie in meinem Haus?


Die Geschichte spielt Anfang der 90er Jahre in Japan. Nach einem Unfall erleidet der Mathematikprofessor einen irreparablen Schaden. Sein Gedächtnis reicht exakt 80 Minuten lang, dann sind alle Erinnerung an die gerade vergangene Zeit wie ausgelöscht. Er lebt im Gartenpavillon auf dem Anwesen seiner Schwägerin. Jede Haushälterin, die sich bisher um ihn gekümmert hat, warf relativ schnell das Handtuch. Keine hielt es lange aus, ständig erklären zu müssen, wer sie ist und was sie hier macht.

Seine neue Haushälterin erzählt in dem Buch über ihre Erlebnisse mit dem Professor. Sie ist bei einer Agentur angestellt und wird dem Mathematiker zugeteilt. Auch sie hat anfänglich Schwierigkeiten, mit dem Gedächtnisverlust des alten Mannes zurecht zu kommen. Von Mathematik hält sie ebenfalls nichts. Doch ausgerechnet über die Zahlen und Formeln finden beiden einen Zugang zueinander.

Als ihr zehnjähriger Sohn nach der Schule vorbeikommt und den Professor kennenlernt, schließt dieser den Jungen sofort ins Herz. Er tauft ihn „Root“, weil sein Kopf so platt ist, wie das Wurzel-Zeichen. Der Alltag mit dem von seinem Gedächtnisverlust gebeutelten alten Mann ist nicht einfach. Dennoch entwickelt sich langsam eine tiefe Freundschaft zwischen den drei Menschen. Und der Professor aktiviert dabei einen unglaublichen Erfindungsgeist: Er baut sich kleine Eselsbrücken, um diese kostbare Verbindung nicht zu vergessen. Doch die Vertrautheit währt nicht lange – die Schwägerin setzt dem „Treiben“ abrupt eine Ende.

Eine leise Geschichte, die kaum Spannung braucht


Auf die japanische Autorin Yoko Ogawa bin ich auf Twitter gestoßen. Ich habe dann mal gestöbert, was die Autorin bisher veröffentlicht hat und bin bei diesem Titel hängen geblieben. Als Mathe-Fan zog mich „Das Geheimnis der Eulerschen Formel“ magisch an. Zwischen den Buchdeckeln entdeckte ich eine Geschichte, die einfühlsam und anmutig erzählt wird und dabei so tief geht, das sie einiges zum Schwingen und anderes zum Schweigen bringt. Es ist eine eher leise Geschichte, ohne Überraschungen, Tamtam oder Effekte. Ja, es fehlt sogar ein gewisser Grad an Spannung. Und all das braucht dieses Buch nicht, denn die Geschichte darin ist voll und ganz auf das Zwischenmenschliche fokussiert, umkreist es mit Hilfe der Zahlen.

Zahlenspielereien, Rätsel, Gleichungen


Die Raffinesse an dem Buch ist für mich die Mathematik, die einem natürlich nicht nur im Titel ins Auge springt. Im Text finden sich einige Zahlenspielereien und Rätsel. Auch werden bestimmte Zahlen (z. B. Primzahlen) und Formeln erklärt. Dabei wird Ogawa nicht wissenschaftlich, sondern spricht auch den Nicht-Mathematiker behutsam an. Man kann etwas lernen, ohne es wirklich zu merken, da der Professor die mathematischen Zusammenhänge seiner Haushälterin erklärt.

Ihre Figuren zeichnete die Autorin sehr authentisch. Sowohl der Professor, als auch die Haushälterin und ihr Sohn wirken greifbar und echt. Der Leser fühlt sich schnell als stummer Beobachter, der immer mit dabei ist. Selbst die Beweggründe der Schwägerin sind nachvollziehbar, als sie eine harte Entscheidung trifft. Und doch, es gibt eine Überraschung. Der Schluss entwickelte sich unerwartet und sorgte für den einzigen Spannungsmoment im ganzen Buch. Dabei wirkt das Ende tatsächlich plausibel und lässt den Leser mit einer tiefen Zufriedenheit zurück.

Fazit


Alles in allem ist „Das Geheimnis der Eulerschen Formel“ ein wunderbares Buch voller Tragik, aber auch Leichtigkeit, Zuversicht und Hoffnung. Es tut gut zu lesen, dass Menschen auch normal miteinander umgehen können und eine Beziehung pflegen, die von Höflichkeit geprägt ist. Trotz oder gerade wegen der Zahlen nahm mich die recht anspruchsvolle Geschichte sofort gefangen – und begeisterte auf ganzer Linie.



Yoko Ogawa
"Das Geheimnis der Eulerschen Formel"
aufbau taschenbuch
Übersetzerin: Sabine Mangold
ISBN: 9783746629445

Sonntag, 10. Juli 2016

Lyrik: lichtblick


lichtblick

vielleicht bald 
ein lichtblick
zwischen all den
hindernissen

zeit ist nicht
das problem
energie fehlt
fürs schreiben
motivation auch

bin noch nicht
gestrandet
dreidel eher
zwischen
pflicht und frust

vielleicht bald, nein
sehr bald
der eine lichtblick
der meinen fokus
wieder auf 
wesentliches lenkt





Dienstag, 14. Juni 2016

Rezension: Andrew E. Kaufman „Der Löwe, das Lamm, der Gejagte“


Patrick Bannisters Kindheit ist alles andere als rosig. Von seiner alleinerziehenden Mutter bekommt er mehr Abneigung als Liebe zu spüren. Und natürlich gibt er sich zunächst selbst die Schuld daran. Kaum alt genug und mit klarerem Blick auf die Dinge, zieht Patrick von Zuhause aus und lässt die Vergangenheit hinter sich.

Nach Hause zurück kehrt er erst zu Mutters Beerdigung. Widerwillig. In ihren Hinterlassenschaften findet Patrick ein Medaillon und einen knappen, merkwürdigen Brief. Schnell keimt in ihm der Verdacht, dass sowohl seine Mutter als auch sein Onkel Warren etwas mit der Entführung und Ermordung des 3-jährigen Nathan Kingsley vor 30 Jahren zu tun hatten. Wenn das stimmt, ist das einfach unglaublich!

Dienstag, 7. Juni 2016

Rezension: Tanja Bern „Distant Shore – Gold der Dünen“


Cover: KopfKino Verlag/Tanja Bern
Es ist wieder Zeit zum Träumen: Man schlägt die erste Seite auf und schon sieht man die smaragdgrüne Landschaft, Dünen und Wellen. Schmeckt Meersalz auf den Lippen und fühlt den Wind durch die Haare tanzen. Irland – ein mystischer Ort und Schauplatz der Novelle „Distant Shore“ von Tanja Bern. „Gold der Dünen“ heißt der zweite Teil der Trilogie. Ein verheißungsvoller Titel, dem der Inhalt des Werkes gerecht wird.

Rückblick Teil 1: Bens Zwillingsschwester Kristin starb an Krebs. Ihr letzter Wunsch war, dass Ben an ihrer Stelle ihr geliebtes Irland besucht. Dabei lernte er die geheimnisvolle Hanna kennen und nach und nach kommen sich beide näher. (Link zur Rezension)

Im zweiten Teil der Geschichte kehrt Ben auf die grüne Insel zurück. Er ist fest entschlossen, seiner Heimat Deutschland endgültig den Rücken zu kehren, um in Irland ein neues Leben zu beginnen. Familie und Freunde sind wenig begeistert. Sie meinen, er laufe vor seinem Schmerz nur davon. Wenn sie wüssten! Als dann eine alte Freundin Ben nach Irland hinterher reist, muss der junge Mann eine Entscheidung treffen.

Tanja Bern hat die Begabung, mit ihren Worten wunderschöne Bilder zu malen. Sie haucht ihren Protagonisten Leben ein und gibt ihnen in dieser kurzen Novelle genug Raum, sich weiter zu entwickeln. In ihrer Romance geht es um Liebe und Trauer, Zweifel und Hoffnung. Diese Gefühle werden mit jeder Zeile greifbarer. Bens innerer Kampf, Hannas Ängste und Befürchtungen – Emotionen, die aufwühlen. Man fühlt mit den beiden und hofft, dass alles gut wird.

„Distant Shore“ ist ein wunderbarer Lesegenuss für Fans romantischer Geschichten. Der bilderreiche, gefühlvolle Schreibstil der Autorin lässt einen schnell in die Welt von Ben und Hanna abtauchen. Und die Bilder bleiben noch eine Weile als Tagtraum an einem haften.

Tanja Bern
„Distant Shore – Gold der Dünen“
KopfKino Verlag Thomas Dellenbusch
ASIN: B01DM4EVFK


Samstag, 4. Juni 2016

Mein Blog wollte ein neues Kleid

Einen Blog zu betreiben ist ein steter Entwicklungsprozess. Es fängt bei der Wahl des Anbieters an - wordpress, blogger, und so weiter. Und geht bei der Anpassung der Optik und Inhalte weiter. Seit ich diesen Blog betreibe, hat er schon die eine oder andere Veränderung erfahren. Und nun ist wieder so eine Zeit, in der ich mich mit der äußeren Hülle meines Blogs beschäftige.

Ich habe darüber nachgedacht, zu wordpress zu wechseln. Das hat mehr design-technische Gründe, als dass ich von google generell weg wollte. Wenn ich mir die Blogs von anderen anschaue, die wordpress benutzen, habe ich das Gefühl, das man hier mehr machen kann. Doch alle Bloginhalte von blogger zu wordpress transportieren - irgendwie scheue ich mich noch davor. Vielleicht werde ich erst einmal in Ruhe recherchieren, ob es da technische Hilfsmittel gibt, die einem die Arbeit erleichtern.

Deshalb stöberte ich gestern ein wenig in den Design-Möglichkeiten von blogger herum und probiere gerade aus. Wann das finale Design erreicht ist - ich lass mich überraschen. Zumindest bin ich mit dieser recht schlichten Lösung erst einmal zufrieden - nicht zu 100 %, aber so 70 - 80. Lediglich das Logo, was eigentlich noch gar kein so richtiges Logo ist, werde ich auf jeden Fall weiter bearbeiten.

Falls jemand von Euch Anregungen, Tipps, Ideen hat ... schreibt mir einfach einen Kommentar.


Dienstag, 31. Mai 2016

Rezension: Brooke Davis "Noch so eine Tatsache über die Welt"


Was haben ein kleines Mädchen, ein alter Mann und eine alte Frau gemeinsam? Sie wissen Bescheid über das Verlassenwerden, das Zurückgelassenwerden, das Alleingelassenwerden. Millie ist sieben Jahre alt und wird von ihrer Mutter im Kaufhaus zurückgelassen. Tasttipper Karl verliert seine Frau und muss ins Altersheim. Nachdem Agathas Mann verstarb, verbarrikadierte sich die alte Frau in ihrem Haus. 


Millie weiß schon über eine Menge Bescheid. Sie führt ein „Buch der toten Dinge“, in dem sie jeden notiert, der stirbt. Ihr Hund Rambo, „Spinne, Vogel, Großmutter, die Nachbarskatze Gertrude“ und letztendlich auch ihr Dad. Am „ersten Tag des Wartens“ bleibt Millie im Kaufhaus bei dem Ständer mit der Damenunterwäsche, da, wo ihre Mutter sie abgesetzt hatte.