Samstag, 2. Februar 2013

... hältst du die Augen stets offen ...


Rezension: Heide Floor "Tanz ins letzte Drittel"

Alt werden wir alle, irgendwann. Und jeder von uns verbindet andere Erwartungen und vielleicht auch Vorurteile mit dem Alter. Alt und grau, krank und dem Tod ein Stück näher. Doch alt sein ist nicht nur bestimmt von beängstigenden Vorstellungen über das nahende Ende, im Gegenteil: der Spaß am Leben muss noch nicht in eine Schublade gelegt werden, er darf gefeiert werden! Das ging mir durch den Kopf, als ich „Tanz ins letzte Drittel“ von Heide Floor gelesen habe und es hat mich sehr gefreut. Der Erstling der Göttinger Autorin sprüht vor lauter Lebenslust.

Rezension: Gitta Becker "Das Rosenspiel"

Hat irgendwer schon mal seine Frau betrogen? Männer, ihr solltet es besser nicht tun, denn frau durchschaut euch schneller, als euch lieb ist. Männer verraten sich grundsätzlich, Männer wollen die Wahrheit nicht sehen, Männer glauben fest an den Mythos, dass sich schon alles von allein regelt. Solch ein Kerl ist jedenfalls der Mann von Susanne, Romanheldin von Gitta Beckers Erstling „Das Rosenspiel“.

Rezension: Arto Paasilinna "Die Giftköchin"

Arto Paasilinna ist und bleibt mein Geheimtipp. Nachdem ich schon in „Der Sommer der lachenden Kühe“ von seinem subtilen Humor eingefangen wurde, traf sein Roman „Die Giftköchin“ erneut ins Schwarze. Herzerfrischende Komik, ausgeklügelte Story, der Finne weiß seine Leser zu vergnügen.
Es ist die Geschichte der Offizierswitwe Linnea Ravaska, die eigentlich ein beschauliches Leben in ihrem kleinen Häuschen auf dem Lande führen könnte, wären da nicht ihr gewalttätiger und dreister Neffe Kake Nyyssönen und seine beiden Saufkumpane. Der 30-Jährige Finne hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, allmonatlich die alte Dame zu schröpfen und ihr ihre magere Rente abzunehmen. Er war der Meinung, dass ihm das sehr wohl zustand, denn er war schließlich jung und brauchte das Geld. Und er war der Pflegesohn Linneas und um die Verwandtschaft hatte man sich eben aufopfernd zu kümmern.

Freitag, 1. Februar 2013

Rezension: Bauer / Lewinski "Powerfrauen betrügt man nicht"

Einen exzellenten Start hat das Autorenduo Bauer/Lewinski mit dem Debütroman „Powerfrauen betrügt man nicht“ hingelegt. Es ist ein packender Wirtschaftskrimi, der einem den Schlaf und die Nerven raubt. Kapitel für Kapitel geht es hinein in einen Sumpf voller Liebe, Leidenschaft, Betrug und Mord. Spannung pur – und das bis zum Schluss. Man kann nie wirklich erraten, welche Wendung die Geschichte gerade nehmen wird und ist dem Kalkül der beiden Autorinnen hilflos ausgeliefert. Meisterlich!

Rezension: Willy Russell "Der Fliegenfänger"

Noch nie habe ich einen so guten Roman gelesen. Ich war mittendrin. Die ganze Zeit war ich mit Raymond zusammen unterwegs, in seiner Vergangenheit und Gegenwart. Wahnsinn!

Es sind eigentlich nur Briefe, lange Briefe, Briefe an Morrissey zwischen zwei Buchdeckel gepresst. Doch eigentlich sind es nicht einfach nur Briefe. Das Ganze ist eine Geschichte, die unter die Haut geht, die einem aus der Haut fahren lässt, die Tränen und Lächeln gleichermaßen hervorruft. Eine unglaublich Geschichte, die sich so wahr anfühlt, dass man hinaus schreien möchte: Warum, warum nur hat denn niemand zugehört? Wieso hat diesem Jungen niemand ins Herz gesehen? Sind wir Menschen manchmal so oberflächlich, so fest in unseren Strukturen verwachsen, dass wir nicht merken, wenn wir ein Lebewesen falsch beurteilen? Verurteilen?

Rezension: Banana Yoshimoto "Kitchen"

Tod, Abschied, Einsamkeit – Banana Yoshimotos „Kitchen“ dreht sich genau um diese Themen und ist dennoch kein Roman, der deprimiert oder pausenlos auf die Tränendrüsen drückt. Die Autorin spricht die Herzen ihrer Leser an und vermittelt auf unschuldig leichtfüßige Weise, dass es immer weiter geht im Leben. Schließt sich eine Tür, so öffnet sich eine neue. Verloren sein und Wiederfinden, Unsicherheit und Liebe, Gefühlsachterbahnen, die jeder kennt und mit denen sich jeder identifizieren kann. Und genau diese Identifikation mit den so authentisch wirkenden Geschichten schafft die Autorin mit ihrem unverkennbaren Stil.

Wie es weiter geht ...

Nachdem ich im letzten Jahr damit beschäftigt war, meine Webseite komplett neu zu gestalten, werfe ich jetzt alles über den Haufen. Warum? Mein Schreibnetzwerk women´s edition ist noch immer nicht im Web 2.0 angekommen. Alt. Verstaubt. Unflexibel. Steif. Mir fallen da sicherlich noch viele Beschreibungen ein.


Kurzum - ich habe mich entschlossen, die Seite in der nächsten Zeit zu schließen. Der Blog hier bleibt und wird die neue Heimat für die bereits verfassten Rezensionen, eigene Gedichte, eventuell auch die eine oder ander Kurzgeschichte von mir und Infos zu meinen Büchern.

Mir fehlt einfach die Zeit und Muse, aus dem SchreibNetz das zu machen, was es braucht, ein modernes Netzwerk für Autoren zu sein. Ein Portal mit Anmeldefunktion, in dem sich Autoren selbst veröffentlichen und austauschen können - ja, das wäre es gewesen. Ein Netzwerk, das lebt, und nicht einfach so vor sich hin vegetiert. Ich habe nicht die Kapazitäten, solch ein Netzwerk zu pflegen.

Deshalb naht die große Veränderung unaufhaltsam. Ich werde sehr, sehr gern weiterhin Bücher lesen und Rezensionen schreiben. Die Rezis, die bereits auf women´s edition erschienen sind, poste ich hier nach und nach - damit sie im Netz bleiben. Neue werden hinzukommen.

So weit, so gut. Alles weitere folgt ...