Dienstag, 29. Dezember 2015

Frühlingsspaziergang im Winter

Nein, Klimaerwärmung gibt es nicht. Ich frage mich ernsthaft, wer das bei diesen Temperaturen jetzt noch leugnen kann. Heute war es zwar ein winzig kleines Mini-Bisschen kälter als beim Spaziergang am zweiten Weihnachtsfeiertag, aber definitiv für die Jahreszeit zu warm.

Schön war, dass die Sonne strahlte und man so eine perfekte Sicht auf die Bewohner des Rheinufers hatte. Schwärme von Wildgänsen, zwei Nilgänse, ein Specht, einige Stieglitze und Bachstelzen hatte ich vor der Fernglaslinse. Und natürlich jede Menge Rabenvögel - ob Krähen oder Raben, den Unterschied habe ich immer noch nicht so drauf.

Was für ein erholsamer Tag!

Jede Menge aufgeplatzte Weiden. In mehrere von denen hätte man sich locker reinstellen können.

Aus dem aufgerissenen Stamm einer Weide nach oben fotografiert.

Nilgänse, etwas unscharf, weil zu weit weg. Aber ich wollte sie nicht verscheuchen.

Sonntag, 27. Dezember 2015

Rezension: Jenny Blackhurst "Die stille Kammer"



Das Baby ist tot. Oder doch nicht? Wie kann man schon entscheiden, was Wahrheit und was Lüge ist, wenn die Worte von Psychiater und Polizei einem simplen Foto gegenüber stehen, das nur durch einen Namen und ein Datum Fakten zu schaffen sucht. Mit einer genialen Idee wartet der Thriller „Die stille Kammer“ von Jenny Blackhurst auf. Die Umsetzung: spannend, nicht immer nachvollziehbar, aber dennoch lesenswert.

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Frohe Weihnachten!

Augen glänzen,
warme Herzen,
Menschen sind sich
heut´ so nah.
Tannenduft und
viele Kerzen.
Weihnachtsabend
ist nun da.
Zeit steht stille
in den Stuben.
Glück und Liebe
ich nur seh´.
Innehalten,
das Jetzt genießen - 
vielleicht gibt's nächstes Jahr
viel Schnee.

Ich wünsche allen ein wunderschönes Weihnachtsfest!

24 erste Sätze - No. 24


„Christmas House, North Pole, 22nd December 1920 – Dear John, I heard you ask daddy what I was like and where I lived.“ J. R. R. Tolkien „Letters from Father Christmas“



Erster Satz: 

Dieser erste Satz legt den Schalter um und schon ist man in Weihnachtsstimmung.

Zum Buch/Autor allgemein: 

Von einer Freundin bekam ich das Hörbuch auf Kassetten! Und ich hörte mir „Letters from Father Christmas“ in der Vorweihnachtszeit immer beim Autofahren an. Auf Englisch, versteht sich. Irgendwann entdeckte ich in einem Buchladen dieses wunderschöne, rote Büchlein. Da konnte ich nicht vorbei gehen. Es ist ein wahrer Schatz!

"Letters from Father Christmas" ist eine Sammlung von Briefen, die der Autor als "Weihnachtsmann" an seine Kinder geschrieben hat. Er berichtet darin über die Weihnachtsvorbereitungen am Nordpol. Und damit der Weihnachtsmann dort nicht ganz allein herumwerkeln muss, stellte Tolkien ihm den tollpatschigen Polarbären, Zwerge und Schnee-Elfen zur Seite. Ein wunderschönes Buch mit knuffigen Zeichnungen und Abbildungen der Briefe. Eine süße Idee für Kinder, aber auch ein Lesegenuss für die Großen.

ISBN: 0-618-51265-9
Houghton Mifflin Company

Mittwoch, 23. Dezember 2015

Rezension: Zoë Beck „Remember, Remember“ (Kalender-Thriller)

Über Twitter bin ich auf diese Kurzgeschichte von Zoë Beck gestoßen. Der Titel weckte bei mir sofort Erinnerungen an „V wie Vendetta“ und somit irgendwie große Erwartungen. „Remember, Remember“ konnte diese in Sachen Spannung und Nervenkitzel auf jeden Fall erfüllen.

Edie und Florence waren damals beste Freundinnen, Blutsschwestern sozusagen. Doch kaum erwachsen, verloren sich die beiden aus den Augen. Dann plötzlich meldet sich Florence via Facebook bei ihrer alten Freundin. Sie will Edie so schnell wie möglich sehen, schreibt aber nicht, warum. Doch Florence erscheint nicht zur Verabredung. Am nächsten Tag entdeckt Edie gruselige Fotos auf Instagram, Twitter und Facebook, die kaum einen Zweifel daran lassen, dass Florence etwas Schlimmes zugestoßen ist. Angeblich hat Edie diese Bilder selbst gepostet. Jedoch kann sich die junge Frau nicht daran erinnern, solche schrecklichen Fotos gemacht zu haben.

24 erste Sätze - No. 23


„Es war wieder Abend geworden.“ Patrick Rothfuss „Der Name des Windes – Die Königsmörder-Chronik Erster Tag“



Erster Satz: 

Mit einem kurzen, knackigen Satz beginnt Patrick Rothfuss seine Königsmörder-Chronik. Ein kurzer Satz, der mich dazu drängte, den nächsten zu lesen. Und eh ich mich versah, war ich drin in der großartigen Geschichte.

Zum Buch/Autor allgemein: 

Diese Buch entdeckte ich damals auf der Frankfurter Buchmesse. Das Cover zog mich sofort in seinen Bann, obwohl es so überwältigend gar nicht aussieht. Dennoch musste ich das Buch haben.


Es ist die Geschichte von Kvothe, Sohn fahrender Spielleute, Magier, Musiker, Wissenschaftler – und Wirt. Er erzählt seine Geschichte einem Chronisten, den er in seinem Wirtshaus aufgenommen hat. Es ist eine atemberaubende Lebensgeschichte. Der junge Kvothe entkommt um Haaresbreite dem Tod durch die geheimnisvollen Chandrian, die das Lager seiner Truppe verwüstet und alle – auch Kvothes Eltern – umgebracht haben. Der Junge schlägt sich fortan allein durch, z. B. als Straßenjunge in der Hafenstadt Tarbean. Später schafft er es, auf die Universität für hohe Magie zu kommen. Dort wird ihm das Leben nicht immer leicht gemacht, doch Kvothe beißt sich durch.


Nachdem ich den ersten Band verschlungen hatte, ließ ich mir den nächsten Band (den es im Deutschen in zwei Teilen gibt) schenken und versank wieder in der wunderbaren Welt von Kvothe. Rothfuss - ein Autor, der ein wenig wie Hagrid aus "Harry Potter" aussieht - hat eine unvergleichlich geniale Art, Geschichten zu entwickeln und zu schreiben. Man klebt stundenlang im Buch, ohne es zu merken und braucht dann oft eine Weile, um wieder in der realen Welt anzukommen. Die Königsmörder-Chronik ist Fantasy mit Suchtfaktor. Und nun warte ich sehnsüchtig auf die Fortsetzung.

ISBN: 978-3-608-93878-4
Hobbit Presse Klett-Cotta

Dienstag, 22. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 22


„Als ich sechs Jahre alt war, sah ich einmal in einem Buch über den Urwald, das „Erlebte Geschichten“ hieß, ein prächtiges Bild.“ Antoine de Saint-Exupéry „Der kleine Prinz“



Erster Satz: 

Heute würde man den eingeschobenen Nebensatz sicher nicht mehr schreiben, denn interessiert es den Leser wirklich, wie das Buch über den Urwald hieß? Nichtsdestotrotz ist dieser Satz der Beginn einer wunderbaren Geschichte, die sicher fast jeder kennt und viele lieben.

Zum Buch/Autor allgemein: 

Ich habe den Kleinen Prinzen wirklich sehr gern gelesen. Es ist ein Buch zum Träumen, Nachdenken, Weinen, Lachen. Ich denke, es kennt jeder.

ISBN: 3-7900-0012-1
Karl Rauch Verlag
Übersetzer: Grete und Josef Leitgeb

Montag, 21. Dezember 2015

Rezension: Kaffeepausengeschichten Band 10 „Die Drachenburg“


„Kaffeepausengeschichten“ ist eine Kurzgeschichtenreihe des Textlustverlages.

Die Idee: In einem kleinen Büchlein werden drei Kurzgeschichten veröffentlicht, deren Leselänge einer Kaffeepause entspricht. Zu jeder Geschichte gibt es Lesetipps für das passende Ambiente, sprich wo und wann sollte man die jeweilige Geschichte lesen und was dazu bereitstellen.



In Band 10 geht es um Drachen: „Den Drachen wohnt eine urtümliche, machtvolle Magie inne, die jeder spüren kann, der ihnen nahe kommt.“ So verheißungsvoll beginnt das Vorwort des Bandes, der Geschichten von Tanja Bern, Tanya Carpenter und Guido Krain enthält. Da ich schon lange einmal etwas anderes über Drachen als „Eragon“ lesen wollte (was ich auch nur als Hörbuch kenne) und ich den Stil der drei Autoren bereits kennengelernt hatte, musste ich diesen Band unbedingt haben.

24 erste Sätze - No. 21


„Der große Wecker scheppert schon eine geraume Weile, als Anna versucht, wach zu werden.“ Jutta Ouwens „Die Zeitmeisterin – Annas Wirklichkeiten“



Erster Satz: 

Ich kenn das. Bei mir scheppert der Wecker morgens auch manchmal laut und lang, eh ich die Augen aufkriege. Doch irgendetwas sagte mir, dass die Protagonistin aus anderen Gründen lange braucht, um wach zu werden.

Zum Buch/Autor allgemein: 

Jutta Ouwens lernte ich über mein Schreibnetzwerk kennen und somit auch ihr bewegendes Werk.

Anna hat eine multiple Persönlichkeit, ohne es wirklich zu wissen und kämpft sich zusammen mit ihren verschiedenen Ich´s durch ihr Leben. Es ist „die Geschichte einer Frau, die liebt, so gut sie kann und bestrebt ist, dem Kreislauf von Gewalt und Täuschung auf die Spur zu kommen“, lautet der Klappentext. Und so ist es. Die Autorin nimmt ihre Protagonistin liebevoll an die Hand und geht hinein in Annas Erinnerungen.
Die Geschichte ist fiktiv und dennoch ist sie wahr und gerade das ist es, was mich an Jutta Ouwens „Die Zeitmeisterin“ sehr bewegt hat. Das Thema des Romans ist hart und wäre für manchen Menschen sicher schwer in passende Worte zu fassen. Erzählt werden die Erinnerungen einer Frau, die als kleines Mädchen von der Mutter geschlagen und vom Vater sexuell missbraucht wurde. Jutta Ouwens schafft es, mit einfühlsamen und klaren Worten, das Unfassbare zu schildern – ohne Anklage, ohne Verurteilung. Sehr sachlich erzählt sie die Geschichte ihrer Heldin und überlässt es dem Leser, seine eigenen Gefühle wahrzunehmen und sein eigenes Urteil zu fällen. 

ISBN: 978-3-8334-8257-1
Books on Demand GmbH Norderstedt


Sonntag, 20. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 20


„Im Schwurgerichtssaal des Amtsgerichtes Köln flirrte der Staub in den Sonnenstrahlen, die sich durch die hohen Fenster in den Raum verirrten.“ Birgit Bauer & Christiane von Lewinski „Powerfrauen betrügt man nicht“




Erster Satz:

Das Buch beginnt mit einem Prolog, der erste Satz eröffnet die Szene. Wir sind in einem Gerichtssaal. Die Sonne scheint durch die Fenster, man kann den Staub in der Luft sehen. Wer steht vor Gericht und warum? Ein guter Einstieg, der mich zum Weiterlesen aufforderte.

Zum Buch/Autor allgemein:

Kurz vor Weihnachten 2007 kam der Debütroman des Autorenduos Birgit Bauer und Christiane von Lewinski heraus. Ein spanneder Wirtschaftskrimi, der im Raum Köln spielte. 

ISBN: 978-3-9811326-6-3
Buchmann Buch-Verlag Roes

Beide Autorinnen lernte ich kennen und eines Abends saß Christiane von Lewinski auf meinem Sofa und Birgit Bauer – wegen der zu großen Entfernung – war am Telefon und wir führten ein Interview über das Buch. Das Interview hatte ich damals in meinem Schreibnetzwerk (WE) veröffentlicht, mittlerweile existiert die Webseite nicht mehr ...

Samstag, 19. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 19


„Ich erinnere mich nicht genau an den Morgen, an dem mich mein Vater zum ersten Mal zum Friedhof der Vergessenen Bücher mitnahm.“ Carlos Ruiz Zafón „Der Schatten des Windes“



Erster Satz: 

Das Buzzword in diesem Satz ist der „Friedhof der Vergessenen Bücher“. Dieser Ort ließ in meinem Kopf sofort Bilder entstehen und hatte eine unglaubliche Anziehungskraft.

Zum Buch/Autor allgemein: 

„An einem dunstigen Sommermorgen des Jahres 1945 wird der junge Daniel Sempere von seinem Vater an einen geheimnisvollen Ort in Barcelona geführt – den Friedhof der Vergessenen Bücher. Dort entdeckt Daniel den Roman eines verschollenen Autors für sich, er heißt ›Der Schatten des Windes‹, und er wird sein Leben verändern …“ (Auszug Buchbeschreibung bei amazon)

Ich erinnere mich nicht mehr, ob ich das Buch selbst gekauft oder geschenkt bekommen hatte. Ich erinnere mich auf jeden Fall daran, dass ich das Buch verschlungen habe. Dieser mystische Ort „Friedhof der Vergessenen Bücher“ hat mich gefangen genommen und wie gern hätte ich diese Ort einmal selbst erkundet, statt „nur“ die Romanfigur dabei zu begleiten.

ISBN: 3-518-45800-0
Suhrkamp
Übersetzer: Peter Schwaar

Freitag, 18. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 18


„Der Fisch gab auf.“ E. L. Greiff „Zwölf Wasser“



Erster Satz: 

Ich liebe ja so kurze erste Sätze, weil man dann schon automatisch weiter liest. Diese vier Worte sagten bereits sehr viel und auch nichts. Sie stehen da und fordern auf, weiter zu lesen, um sich Klarheit über den Fisch zu verschaffen. Bei mir hat es bewirkt, dass ich erst am Ende der Leseprobe aufgehört habe.

Zum Buch/Autor allgemein: 

Dieses Buch habe ich erst kürzlich entdeckt und bisher nur die Leseprobe gelesen. Die hat mir so gut gefallen, dass ich mir jetzt den ersten Band gekauft habe und mich schon aufs Lesen freue.

ISBN: 978-3-423-21514-5
dtv

Donnerstag, 17. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 17


„Alles begann an einem kalten Dienstag im Januar, morgens um halb zwei, als Martin Turner, Straßenkünstler und nach eigenen Worten Gigolo in Ausbildung, vor der Säulenvorhalle von St. Paul's am Covent Garden über eine Leiche stolperte.“ Ben Aaronovitch "Die Flüsse von London"



Erster Satz: 

Es ist ein langer Satz. Ein Satz mit vielen Kommas. Aber ein wirkungsvoller Satz, denn Martin Turner stolpert über eine Leiche.

Zum Buch/Autor allgemein: 

Ben Aaronovitch ist mir in der Buchhandlung aufgefallen. Die Cover seiner Bücher sind ein echter Hingucker. Ich habe mich dann für „Die Flüsse von London“ entschieden und war mit der Geschichte ganz zufrieden. Umgehauen hat sie mich nicht, dafür waren mir einige Stellen ein wenig zu verworren. Aber insgesamt war es eine spannende und lustige Lektüre, für Zwischendurch genau das Richtige.

Protagonist ist Peter Grant, ein Londoner Police Constable mit magischer Begabung. Polizeiinspektor Thomas Nightingale, letzter Zauberer Englands, nimmt den jungen Constable unter seine Fittiche. Zusammen versuchen sie einen Mord in Covent Garden aufzuklären. Die Beweise verdichten sich und alles scheint darauf hinzuweisen, dass ein Schauspieler, der vor 200 Jahren an dieser Stelle starb, in den Mordfall verwickelt ist.

Das Buch ist eine Mischung aus Krimi und skurriler Fantasy, zeitweise lustig, dann wieder verwirrend. Für mich war es eine gute Lektüre für zwischendurch, doch ganz gepackt hat mich das Buch nicht.

ISBN: 978-3-423-21341-7
dtv
Übersetzer: Karlheinz Dürr


Mittwoch, 16. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 16


„Mr und Mrs Dursley, of number four, Privet Drive, were proud to say that they were perfectly normal, thank you very much.“ J. K. Rowling „Harry Potter and the Philosopher's Stone“



Erster Satz: 

Dieser erste Satz war so schnell wieder weg aus meinem Kopf, denn ich wollte nur rein in die Geschichte. Deshalb danke für die Info, aber jetzt erzähle erst einmal von Harry.

Zum Buch/Autor allgemein: 

Irgendwann hatte auch mich das Harry-Potter-Fieber gepackt. Meine Freundinnen stippten mich quasi mit der Nase drauf. Da die deutschen Ausgaben etwas teurer waren und ich mich sowieso ein wenig im Englischen trainieren wollte, habe ich die komplette Reihe in Englisch gelesen. Ich halte mein Englisch für nicht wirklich gut, aber die Geschichte habe ich vom ersten bis zum letzten Buch verstanden und hatte keine Probleme beim Lesen. Natürlich sah ich mir danach auch alle Filme an und merkte, dass mein Englisch vielleicht doch nicht so schlecht war, wie ich bisher dachte. Auf jeden Fall ist die Harry-Potter-Reihe für mich eine der besten fantastischen Geschichten, die ich gelesen habe. Und ich gehe hier mal davon aus, dass ich über den Inhalt kein Wort mehr verlieren muss, denn wer kennt die Geschichte von Harry nicht?

ISBN: 0-7475-4955-9
Bloomsbury

Dienstag, 15. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 15


„Eine adrette alte Frau in heiterer ländlicher Umgebung, welch hübscher Anblick!“ Arto Paasilinna „Die Giftköchin“



Erster Satz: 

Wie spitzzüngig. Dieser Satz verheißt beißend lustigen Lesespaß. Keine Ahnung, wie das auf jemanden wirkt, der Paasilinna noch nicht kennt.

Zum Buch/Autor allgemein: 

Arto Paasilinna ist und bleibt mein Geheimtipp. Nachdem ich schon in „Der Sommer der lachenden Kühe“ von seinem subtilen Humor eingefangen wurde, traf sein Roman „Die Giftköchin“ erneut ins Schwarze. Herzerfrischende Komik, ausgeklügelte Story, der Finne weiß seine Leser zu vergnügen.
Es ist die Geschichte der Offizierswitwe Linnea Ravaska, die eigentlich ein beschauliches Leben in ihrem kleinen Häuschen auf dem Lande führen könnte, wären da nicht ihr gewalttätiger und dreister Neffe Kake Nyyssönen und seine beiden Saufkumpane. Der 30-Jährige Finne hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, allmonatlich die alte Dame zu schröpfen und ihr ihre magere Rente abzunehmen. Er war der Meinung, dass ihm das sehr wohl zustand, denn er war schließlich jung und brauchte das Geld. Und er war der Pflegesohn Linneas und um die Verwandtschaft hatte man sich eben aufopfernd zu kümmern.

Doch die monatlichen Besuche der Männer bei der alten Witwe standen nicht nur im Zeichen der Geldeintreiberei. Die Drei nutzten den Ausflug, um mal aus der Großstadt Helsinki herauszukommen und auf dem Land so richtig zu feiern. Und feiern hieß bei der Bande, eine möglichst große Sauerei zu hinterlassen – in Linneas Sauna, auf ihrem Hof und in ihrem Haus. Wenn es sein musste, schreckten die skrupellosen Kerle vor Schlägereien und Diebstahl nicht zurück, kein Wunder, dass die alte Dame sich vor diesen monatlichen „Zahltagen“ fürchtete. Die letzte Begegnung wurde allen Beteiligten zum Verhängnis und Paasilinna entwickelte daraus eine herrlich chaotisch wirkende, aber gut strukturierte Geschichte.

ISBN: 3-404-92054-6
BLT Verlag, deutsche Ausgabe Verlagsgruppe LÜBBE
Übersetzer: Regine Pirschel

Montag, 14. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 14


„Die spitzen Brüste des Mädchens schlugen ein splitterndes Loch in die Schädeldecke.“ Volker Kutscher/Christian Schnalke „Bullenmord“



Erster Satz: 

Wie verdammt können Brüste ein Loch in eine Schädeldecke schlagen?

Zum Buch/Autor allgemein: 

Das Buch habe ich im Jahr 2000 persönlich von Volker Kutscher zum Geburtstag geschenkt bekommen, er war nämlich damals für eine Zeit mein Kollege. Wir haben zusammen in der gleichen Redaktion gearbeitet. Ich wagte als freie Mitarbeiterin meine ersten journalistischen Schritte und durfte von ihm und den anderen Kollegen einiges an Handwerkszeug lernen.

Kutschers Debüt-Roman "Bullenmord" ist ein herrlicher Lokal-Krimi, der im Bergischen Land spielt. Auszug aus dem Klappentext:

"Katharina, Startänzerin des Wuppertaler Tanztheaters, ist in der halben Welt herumgekommen. Doch ausgerechnet im friedlichen Bergischen Land wird ihr Leben radikal aus der Bahn geworfen: Sie wird gejagt, beschossen, gefangen, überfahren, geliebt, gehasst, verlassen. (...)

Paul ist Jungbauer. Ein gutmütiger Mensch, der nur für seine Tiere lebt. Doch als Mord ins Spiel kommt, gerät er zwischen die Fronten rivalisierender Drogenbanden, und eine lebensgefährliche Jagd durchs Bergische Land beginnt."

In teils kleinen Kapiteln bauten die beiden Autoren ihre Geschichte auf und führten die Handlungsstränge der Protagonisten zusammen. Der Krimi ist spannend und witzig zugleich, sprachlich sehr ausgereift. Wie bei allen Lokal-Geschichten sind natürlich die echten Schauplätze im Roman für alle die ein Lesegenuss, die das Bergische Land kennen.

ISBN: 3-924491-87-9
Emons Verlag Köln

Sonntag, 13. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 13


„Es war ein strahlend-kalter Apriltag, und die Uhren schlugen dreizehn.“ George Orwell „1984“



Erster Satz: 

Jetzt schlägts dreizehn. Genau daran musste ich denken und lachen. Doch das Lachen verging mir schnell.


Zum Buch/Autor allgemein: 

Das Buch ist der Klassiker schlechthin und ein leider immer noch oder wieder aktuelles Werk. Ich habe es vor Jahren gelesen, danach den Film gesehen. Mich hat beides nachhaltig beeindruckt. Das Buch ist bemerkenswert, an einigen Stellen in der Mitte recht mühsam, aber es haut voll rein.

In "1984" beschreibt Orwell einen totalitären Überwachungsstaat. Die Persönlichkeitsrechte der Bürger sind stark eingeschränkt. Über allem wacht der "Große Bruder". Die fiktive Welt Orwells beherrschen drei Großmächte: Ozeanien, Eurasien und Ostasien. Ständig werden Kriege um nicht zugeteilte Gebiete geführt, ständig wechseln dabei die Gegner.

In dieser Welt lebt Winston Smith, der im Ministerium für Wahrheit die Aufgabe hat, Zeitungsberichte zu Gunsten der Partei zu fälschen. Smith arbeitet für die Partei, innerlich ist er aber Gegner des Systems. Als er sich in Julia verliebt, beginnen die Probleme.

Es ist immer wieder bemerkenswert, dass dieser "Zukunftsroman", den Orwell im Jahr 1946 veröffentlichte, so nüchtern und dennoch bildreich beschreibt, wie eine Gesellschaft unter totaler Überwachung funktioniert. Es ist ein beängstigendes Buch, bei dem man sich heute häufig fragt, wie viel davon bereits Realität geworden ist.

ISBN: 3-548-84014-0
Ullstein Verlag

Samstag, 12. Dezember 2015

Rezension: Phillip P. Peterson "Paradox - Am Abgrund der Ewigkeit"



"Paradox" ist ein Science-Fiction Roman, der es schaffen kann, den Leser aufgewühlt und verstört zurückzulassen. Durch extreme Realitätsnähe ist er fast schon ein wenig gruselig, weil man die Vorstellung, vielleicht gerade einen kleinen Blick auf unsere Zukunft erhascht zu haben, kaum loswerden kann.

Im Mittelpunkt der Geschichte stehen zwei Protagonisten, die verschiedener nicht sein können. Auf der einen Seite der erfahrene Astronaut Ed Walker, der in einer spektakulären und selbstlosen Aktion seine Crew aus den Trümmern der Internationalen Raumstation ISS rettet. Ein Haudegen, der sich nicht scheut, jedem knallhart seine Meinung ins Gesicht zu schleudern. Ein Mann, dem sein Beruf Berufung ist und der dafür einiges aufs Spiel setzt. Auf der anderen Seite der junge Wissenschaftler David Holmes, der die Chance seines Lebens erhält, fast daran zu zerbrechen droht, aber eine enorme Entwicklung durchläuft. Doch am Ende sind es vier Menschen, die sich auf eine gefährliche Missions ins All begeben, um am Rand unseres Sonnensystems das Verschwinden dreier Raumsonden zu untersuchen. Ingenieurin Grace und Biologin Wendy sind mit von der Partie, kommen aber erst ein wenig später zum Zug.

24 erste Sätze - No. 12


„Dies sind die letzten Worte, die ich schreiben werde.“ Catherine Banner „Das Lied von Malonia



Erster Satz: 

Wenn dieser Satz nicht wirkt, dann weiß ich auch nicht. Bäm! Da sitzt jemand, schreibt seine Geschichte auf und wahrscheinlich wird es dann ziemlich brenzlig für diese Person. Zack, gefangen!

Zum Buch/Autor allgemein: 

Dieses Buch war ein eindeutiger Cover-Kauf. Das Auge sah mich so eindringlich an, da musste ich das Werk von Catherine Banner einfach mitnehmen. Die Geschichte hat mich auch sehr gefesselt, die Idee fand ich genial.

Im Reich Malonia herrscht ein Tyrann und der rechtmäßige Thronerbe Prinz Ryan wurde verbannt. Über ein geheimnissvolles Buch erfährt der Malonier Leo North, dass der Prinz in England ist und eine magische Pforte ihn von seiner Heimat trennt.

Erst viel später realisiert ich, dass der Roman der erste Band einer Trilogie ist. Doch verspürte ich wenig Lust, die weitere Bände zu lesen. Auch wenn die Geschichte wirklich schön zu lesen war, ist seit dem ersten Band zu viel Zeit vergangen. Und das Buch noch einmal lesen, um wieder reinzukommen, wollte ich nicht.

ISBN: 978-3-7645-3000-6
Penhaligon Verlagsgruppe Random House
Übersetzer: Patricia Woitynek

Freitag, 11. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 11


„Rain fell that night, a fine, whispering rain.“ Cornelia Funke „Inkheart“ 




Erster Satz: 

Mit dem ersten Satz zaubert die Autorin sofort eine geheimnisvolle Atmosphäre. Und irgendwie macht sich ein wenig Gänsehaut bemerkbar, denn passiert bei solchen leisen Regennächten nicht immer irgendetwas?

Zum Buch/Autor allgemein: 

Nachdem ich die Harry-Potter-Reihe komplett durchgelesen hatte, packte mich ein wenig Wehmut. Und die stillte ich mit Tintenherz. Eine wunderschöne Geschichte, die mich gleichwohl versöhnte und begeisterte.

Die Geschichte ist märchenhaft schön. Hauptfiguren sind Meggie und ihr Vater Mo, der "Bücherdoktor". Ihre Mutter ist verschollen. Mo kann Figuren aus Geschichten herauslesen, sprich, wenn er vorliest, erwachen die Helden der Bücher zum Leben. Aus dem mysteriösen Buch "Tintenherz" las Mo den grausamen Capricorn in ihre Welt und der setzt nun alles daran, Mo und Meggie das Leben schwer zu machen.

Da ich Rowling auf Englisch gelesen hatte, wollte ich im Fluss bleiben, und las Funke auch auf Englisch. Allerdings blieb es bei diesem ersten Band, weil ich damals nicht realisierte, dass die Geschichte weiter ging und danach das Feuer für englisch-sprachige Bücher erst einmal erloschen war.

Sehr viel später habe ich mir den Film angesehen. Das Buch war um Längen besser!

ISBN: 1-904442-21-8
The Chicken House Verlag
Übersetzer: Anthea Bell

Donnerstag, 10. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 10


„Am Abend traf sich Jorel mit dem Mädchen.“ Jenny-Mai Nuyen „Nocturna – Die Nacht der gestohlenen Schatten“



Erster Satz: 

Mit diesem Satz beginnt der Prolog. Bei Prologen weiß man nie so genau, ob sie Themen aufgreifen, die vor, nach oder mitten aus der eigentlichen Geschichte stammen. Dieser Satz wirkt, als würde man gerade zu einer laufenden Szene hinzukommen und ab jetzt einfach der Geschichte folgen.

Zum Buch/Autor allgemein: 

Weihnachten 2008 bekam ich das Buch – oder schenkte ich es mir selbst. Ich weiß es nicht mehr. Auf jeden Fall war die Autorin gerade in aller Munde und ich wollte unbedingt etwas von Jenny-Mai Nuyen lesen. Ich habe mich für dieses Buch entschieden, weil es darin um Bücher geht.

Der junge Dieb Vampa sucht in der Bibliothek eines Professors nach dem einen Buch, das seine persönliche Geschichte erzählt. Vampa lebt nämlich in einer Welt, in der die Nocturna einfachen Menschen ihre Erinnerungen stehlen, um daraus mit Bluttinte geschriebene Bücher zu schaffen. Zusammen mit Apolonia versucht Vampa, die Nocturna zu stoppen.

„Nocturna“ ist eine wunderschöne Geschichte, spannend, mysteriös, geheimnisvoll und märchenhaft.

 ISBN: 978-3-570-13337-8
cbj Verlagsgruppe Random House

Mittwoch, 9. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 9


„Lieber Morrissey, ich fühl mich total down und deprimiert.“ Willy Russell „Der Fliegenfänger“



Erster Satz: 

Oh Morrissey!

Zum Buch/Autor allgemein: 

Dieses Buch fiel mir in meiner Morrissey-Phase in die Hände. Schon allein die Erwähnung seines Namens im ersten Satz fällte meine Kaufentscheidung. Eine Entscheidung, die ich nie bereut habe, denn die Geschichte des Jungen, die in dem Roman erzählt wird, ist eindrucksvoll.

Es sind eigentlich nur Briefe, lange Briefe, Briefe an Morrissey zwischen zwei Buchdeckel gepresst. Doch eigentlich sind es nicht einfach nur Briefe. Das Ganze ist eine Geschichte, die unter die Haut geht, die einem aus der Haut fahren lässt, die Tränen und Lächeln gleichermaßen hervorruft. Eine unglaublich Geschichte, die sich so wahr anfühlt, dass man hinaus schreien möchte: Warum, warum nur hat denn niemand zugehört? Wieso hat diesem Jungen niemand ins Herz gesehen? Sind wir Menschen manchmal so oberflächlich, so fest in unseren Strukturen verwachsen, dass wir nicht merken, wenn wir ein Lebewesen falsch beurteilen? Verurteilen?
Raymond Marks ist elf, als sein Leben aus den Fugen gerät. Er erfindet das Fliegenfangen, das ich hier nicht wirklich näher beschreiben will. Doch Jungs in dem Alter sind einfach so und es ist völlig natürlich, völlig normal. Doch wenn Erwachsene aus harmlosen Situationen ein menschenverachtendes Drama machen, dann kann die kleine heile Welt eines Elfjährigen gefährlich ins Schwanken geraten. Ray fliegt von der Schule und jeder hält ihn für einen Idioten, der sich selbst umbringen will. Ein Verrückter, dem man sofort zutraut, dass er sich an kleinen Mädchen vergreift. Ein Subjekt, das weggeschlossen gehört. Verachtet. Gehasst. Ausradiert.
Jahre später, als 19-Jähriger, schreibt Raymond seine Geschichte nieder. Er, der größte Morrissey-Fan aller Zeiten, ist auf dem Weg nach Grimsby, weil er dort auf dem Bau arbeiten und erwachsen werden soll. Er schreibt in sein Songbook. Briefe. Briefe an sein Idol Morrissey.

ISBN: 3-453-86428-X
Heyne Verlag
Übersetzer: Sabine Hübner

Dienstag, 8. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 8


„Manchmal denke ich mir Gemeinheiten aus.“ Erika Riemann „Die Schleife an Stalins Bart“



Erster Satz: 

Das ist ein Satz mit einer unglaublichen Sogwirkung. Was für Gemeinheiten sind hier gemeint? Und wer denkt sich diese aus? In Verbindung mit dem Buchtitel klingt dieser Satz zudem wie eine Entschuldigung für alles, was jetzt noch folgt.

Zum Buch/Autor allgemein: 

Hin und wieder recherchiere ich, was es aktuell an Literatur gibt, die sich mit dem Leben in der DDR beschäftigt. Dabei bin ich vor Jahren auf dieses Buch gestoßen. Die Geschichte hat mich nachhaltig berührt und beschäftigt, weil die Erlebnisse der Autorin lange vor meiner Zeit passierten und auf eindrückliche Weise zeigen, dass es besser war, in den späteren DDR-Jahren in diesem Staat aufzuwachsen.

Im Grunde genommen hat das Mädchen Erika nichts schlimmes getan, sie hat lediglich ein Bild Stalins mit einer Schleife verziert, mit Lippenstift aufgemalt. Doch 1946 war dies ein Verbrechen, so dass Erika für diesen Mädchenstreich für acht Jahre ins Gefängnis musste. Die Biographie zeigt ein sehr nüchternes Bild der frühen DDR-Jahre.

ISBN: 3-492-24093-3
Piper Verlag 

Montag, 7. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 7


„Dies ist das von flackernden Kerzenschein erhellte Zimmer mit den Lebensuhren – zahllose Regale, gefüllt mit kleinen Sanduhren, eine für jeden Lebenden.“ Terry Pratchett „Gevatter Tod“



Erster Satz: 

Terry Pratchett steht auf dem Cover und Pratchett liefert einen ersten Satz, wie man ihn von ihm erwartet. Sofort steht man neben Gevatter Tod und betrachtet all die Lebensuhren im Regal.

Zum Buch/Autor allgemein: 

Auf Pratchett bin ich – wie bei vielen anderen guten Büchern auch – zunächst nicht allein gekommen, sondern wieder über den Lesegeschmack anderer. Doch kaum mit „Die Farben der Magie“ in die Scheibenwelt eingestiegen, war ich infiziert. Terry Pratchett hatte eine außergewöhliche Art, Geschichten zu schreiben. „Gevatter Tod“ hat mich bisher am meisten begeistert.

Protagonisten sind der Tod und sein junger Lehrling Mort. Während der Lehrling die Scheibenwelt ein klein wenig aus dem Gleichgewicht bringt, versucht Gevatter Tod menschliche Erfahrungen zu machen. Ein wunderbarer Scheibenwelt-Roman: witzig, spannend, reich an Wortspielereien. Einfach ein genialer Lesegenuss.

ISBN: 978-3-492-28625-1
Piper Verlag
Übersetzer: Andreas Brandhorst

Sonntag, 6. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 6


„Die kleinen Jungen waren die Ersten, die zum Richtplatz kamen.“ Ken Follet „Die Säulen der Erde“




Erster Satz: 

Die Szene ist eröffnet, das Bild ist da. Eine Gruppe kleiner Jungen schlendert über den Richtplatz, wahrscheinlich nach einem guten Platz Ausschau haltend. Es soll eine Hinrichtung geben? Wer ist es?

Zum Buch/Autor allgemein: 

Meine Eltern sind Follet-Fans. Ich bin noch immer keiner. Zweimal habe ich versucht, einen Zugang zu Ken Follet zu bekommen. Zuerst begann ich mit dem Hörbuch „Die Leopardin“. Dabei merkte ich schnell, dass ich Hörbücher nicht so mag, weil ich die Buchstaben nicht vor Augen sehe. Zumal schweife ich zu schnell ab und die Geschichte war anscheinend für mich nicht spannend genug, um meine Aufmerksamkeit länger zu fesseln.

Der zweite Versuch war „Die Säulen der Erde“. Ein Geschenk. Ich habe nicht mal das erste Viertel geschafft und dann abgebrochen. Die Geschichte spielt im England des 12. Jahrhunderts. Hauptfigur ist der mittellose, aber begabte Baumeister Tom, der eine Kathedrale bauen soll, die in den Himmel reicht, allen Zeiten gegenüber standhält und somit ein ewiges Zeugnis Gottes auf Erden sein soll.

Das Buch an sich hat ihren Reiz, sie ist für mich nur zu langatmig. Ausschweifend kann ich wahrscheinlich nur bei Fantasy vertragen, immerhin ist „Der Herr der Ringe“ eines meiner Lieblingswerke. Aber Follet hat es bisher noch nicht geschafft, mich zu überzeugen.

ISBN: 978-3-404-11896-0
Bastei Lübbe
Übersetzer: Gabriele Conrad, Till Lohmeyer, Christel Rost

Samstag, 5. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 5


„Der liebste Platz auf dieser Welt ist mir die Küche.“ Banana Yoshimoto „Kitchen“



Erster Satz: 

Mein liebster Platz ist das definitiv nicht, also warum die Küche?

Zum Buch/Autor allgemein: 

Ich mag japanische Literatur. Neben Haruki Murakami ist meine Favoritin Banana Yoshimoto und „Kitchen“ ist ein wirklich bemerkenswertes Buch.

Mikage entwickelt eine schon fast absurde Affinität für Küchen. Die Küche ist ihr der liebste Platz überhaupt, dort fühlt sie sich sicher und geborgen, egal, wie groß oder klein, sauber oder schmuddelig dieser Raum auch sein mag. Bevor ihr Leben aus den Fugen geriet, schlief sie sogar auf dem Boden zusammengerollt in der Küche der Wohnung, die sie sich mit ihrer Großmutter teilte. Mikage ist ein Mädchen, dass früh schon fast ihre ganze Familie verlor. Nur ihre Großmutter ist ihr geblieben. Als auch die stirbt, bricht Mikages kleine Welt zusammen. Ihre Familie wurde immer kleiner, bis nur noch sie übrig geblieben war. An was sollte sie jetzt noch glauben, der Boden unter ihren Füßen war weg.
Tod, Abschied, Einsamkeit – Banana Yoshimotos „Kitchen“ dreht sich genau um diese Themen und ist dennoch kein Roman, der deprimiert oder pausenlos auf die Tränendrüsen drückt. Die Autorin spricht die Herzen ihrer Leser an und vermittelt auf unschuldig leichtfüßige Weise, dass es immer weiter geht im Leben. Schließt sich eine Tür, so öffnet sich eine neue. Verloren sein und Wiederfinden, Unsicherheit und Liebe, Gefühlsachterbahnen, die jeder kennt und mit denen sich jeder identifizieren kann. Und genau diese Identifikation mit den so authentisch wirkenden Geschichten schafft die Autorin mit ihrem unverkennbaren Stil. 

ISBN: 3-257-22700-0
Diogenes Verlag
Übersetzer: Wolfgang E. Schlecht

Freitag, 4. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 4


„Marion schlug die Augen auf.“ Jean-Claude Izzo „Leben macht müde“



Erster Satz: 

Der Satz klingt schroff, aber er wirkt. Eine Frau schlägt die Augen auf – und dann? Hier liest man automatisch weiter und merkt gar nicht, wie schnell man in der Geschichte drin ist.

Zum Buch/Autor allgemein: 

Von wem ich den Tipp für dieses Buch bekommen habe, weiß ich mittlerweile schon nicht mehr. Was ich aber noch weiß: Es war ein sehr guter Tipp. Das Buch des Journalisten Izzo ist eine Sammlung von Kurzgeschichten, die mich zu der Zeit, als ich sie las, sehr berührt haben.Es geht darin um einfache Menschen und deren Suche nach Liebe, Glück oder Sinn in ihrem Leben. Die Geschichten sind teils recht düster und alle auf einmal gelesen, sicher keine leichte Kost. Dennoch ist die Sprache Izzos einfach und eingänglich.

ISBN: 978-3-293-20397-6
Unionsverlag Zürich
Übersetzer: Ronald Voullié

Donnerstag, 3. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 3


„Im Landkreis Rottal-Inn steht an einem leichten Osthang ein Bauernhof mit neun Hektar Grund.“ Anna Wimschneider „Herbstmilch“



Erster Satz: 

Der biographischer Roman beginnt mit der sehr malerischen Beschreibung der Umgebung. Sofort hat man ein idyllisches Bild im Kopf: Ein Bauernhof, Wiesen, Blumen, Tiere, die Sonne scheint, alles ist gut. Dann können die Erinnerungen kommen.

Zum Buch/Autor allgemein: 

Für ein paar Jahre war ich Mitglied der Autorengruppe „Schwarze Lettern“, die sich regelmäßig zum Erfahrungsaustausch und gemeinsamen Lesungen traf. Nach meinem Umzug versickerten die Kontakte – wie das halt manchmal so ist. Damals schrieb und las ich Kurzgeschichten und Gedichte. Besonders gut kamen meine Erinnerungen an die DDR an – Geschichten, die ich bisher immer nur vorgelesen, aber nie veröffentlicht habe (und wahrscheinlich auch nicht werde).

In der Gruppe lernte ich eine Autorin kennen, die mir den Tipp gab, mal Biographien zu lesen. Die könnten für meine eigene Biographiearbeit eine Bereicherung sein. Sie meinte, Wimschneider sei gut. Ich kaufte mir das Buch und las die Geschichte: Erinnerungen der Autorin an ihr Leben auf einem kleinen Bauernhof in Niederbayern. Meine Autorenkollegin hatte Recht. „Herbstmilch“ ist ein sehr gutes Buch, das ich verschlungen habe.

ISBN: 978-3-492-20740-9
Piper Verlag

Mittwoch, 2. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 2


"Zügig sprang Lale in den ICE und huschte durch den Großraumwagen.“ Christine Sylvester „Muschebubu“



Erster Satz: 

Zuerst blieb ich an dem Namen hängen. Lale. Ungewöhnlich. Was ist das für eine Frau, die Lale heißt.

Zum Buch/Autor allgemein: 

Über mein Schreibnetzwerk lernte ich die Autorin und ihre Werke kennen. „Muschebubu“ gehört zur Lale-Petersen-Reihe und ist ein exzellenter Kriminalroman, der durch guten Stil, eine ausgeklügelte und logische Handlung sowie klar gezeichnete Charaktere besticht. [Rezension]

ISBN: 978-3-938916-13-1
Kahl Verlag Dresden

Dienstag, 1. Dezember 2015

24 erste Sätze - No. 1


"Auf dem großen Passagierdampfer, der mitternachts von New York nach Buenos Aires abgehen sollte, herrschte die übliche Geschäftigkeit und Bewegung der letzten Stunde.“ Stefan Zweig „Schachnovelle“




Erster Satz: 

Dieser Satz produziert sofort ein eindrucksvolles Bild im Kopf, er schafft Atmosphäre. Man muss einfach weiter lesen.

Zum Buch/Autor allgemein:

Stefan Zweig habe ich in meiner Abitur-Zeit für mich entdeckt – auf Empfehlung eines Freundes. Es war so eine Zeit, in der ich anfing, Dinge in Frage zu stellen und mir Sinn-Gedanken zu machen. Stefan Zweig traf dabei genau meinen Nerv. Die Schachnovelle war das erste Buch, dass ich mir von diesem Autor zugelegt hatte.

Die Novelle ist ein Ausdruck der Gewaltherrschaft des Nationalsozialismus, vor der der Autor aus Europa floh. Zweig erzählt die Geschichte des Dr. B, der monatelang im Wiener Gestapo-Gefängnis in Einzelhaft saß. Um nicht verrückt zu werden, spielte der Protagonist Meisterpartien aus einem Schachbuch nach. Nach seiner Entlassung trifft er auf einer Schiffsreise von New York nach Buones Aires auf den Schachweltmeister Mirko Czentovic. Beim Spiel gegen den Profi schildert Dr. B seine Erinnerungen.

Die Story fesselte mich von Beginn an und ich konnte das Buch bis zum Schluss nicht weglegen.

ISBN: 3-596-11220-6
Fischer Verlag




24 erste Sätze - Blog-Adventskalender


Es ist in diesem Jahr der Versuch eines Blog-Adventskalenders. Meine Idee ist, 24 erste Sätze aus Printbüchern vorzustellen. Der erste Satz in einem Roman oder in einer Kurzgeschichte ist der wichtigste, denn wenn der nicht zieht, was dann.


Allerdings entscheide ich nicht immer nach dem Einstieg in die Geschichte, ob ich das Buch kaufe. Häufig lese ich den Klappentext, blättere durch und lese ein paar Stellen an oder lasse mich ganz und gar vom Cover einnehmen. Dennoch habe ich mir die jeweils ersten Sätze von 24 Büchern angesehen, die in den letzten Jahren bei mir einen mehr oder weniger großen Eindruck hinterlassen haben. Mal erzähle ich mehr, mal weniger dazu. Ein Rückblick in 24 Tagen.


Sonntag, 29. November 2015

Der etwas andere Fragebogen von booknerds.de - Teil 5

Geschafft! Ich habe alle Fragen abgearbeitet. Der Fragebogen von booknerds.de hat mich nun mehrere Tage beschäftigt. Ich hatte vorwiegend Spaß, habe aber auch viel nachgedacht. Insgesamt fand ich es eine inspirierende Aktion. Danke nochmal an die Macher von booknerds.de!

Und hier die Antworten auf den letzten Teil:


Runde 5 – ein paar Sätze zum Vervollständigen:


Amazon ist …


ein Onlinehandel, der vieles richtig und vieles falsch macht.

In meinem Wohnort …


besser gesagt, in der Region, in der ich wohne, ist es ein bisschen wie im Urlaub. Nur das Meer fehlt.


Ein Autor schreibt Bücher, weil …


… er muss.
… nicht anders kann.
… Spaß daran hat.
… Geld damit verdient.
… etwas da lassen will.
… es einfach sein Ding ist.

Marcel Reich-Ranicki fand ich …


interessant und uninteressant zugleich. Interessant als Persönlichkeit, die sich die Freiheit nahm, zu sagen, was er dachte. Uninteressant, weil ich das hochtrabende Fabulieren über Literatur eher mühsam als hilfreich empfinde.

Hysterisierung und Pathetisierung in der Literatur …


gibt es das tatsächlich? Es ist wahrscheinlich nicht anders, als in Musik, Film und Kunst. Manche brauchen das, ich brauche das nicht.

Was ich im Literatur-/Film-/Serienbusiness niemals verstehen werde, ist …


… das Lesen und Filme/Serien gucken manchmal echt teuer sein kann. Da ich selbst Autorin bin, verstehe ich, dass man mit seinen Werken Geld verdienen möchte – und die Hauptberuflichen sogar müssen. Dennoch finde ich es schade, dass es noch nicht genug Konzepte gibt, wie man Werke auch Menschen verfügbar machen kann, die nicht so viel Geld hinlegen können, und dabei dennoch eine vernünftige Vergütung der Autoren und Filmemacher hinkriegt. Vielleicht bin ich da auch nicht up to date, aber ich empfinde es so.


Wenn ich die Bibliographie eines bestimmten Autoren/einer bestimmten Autorin einfach auslöschen könnte, dann die von …, weil …


von keinem, weil jeder seine Daseinsberechtigung hat. Und zum Glück leben wir in einer Zeit, in der sich jeder ausprobieren kann – gerade in der Buchbranche.

Vielleicht zielt die Frage ja darauf ab, welchen Autor man nicht gut findet. Dennoch würde ich diese Veröffentlichungen nicht auslöschen, Geschmäcker sind ja verschieden. Letztendlich sind Geschichten – ob geschrieben oder verfilmt – Unterhaltung, also für mich. Was ich nicht mag, ignoriere ich. Ich würde aber niemals sagen, das, was mich nicht interessiert, muss weg.

Ich würde unheimlich gern eine Literatur-Diskussionsrunde mit folgenden Personen sehen:


Nein. Nein. Nein. Ich mag keine Diskussionsrunden über Literatur, vor allem nicht, wenn die betreffenden Autoren nicht selbst dabei sind. Generell wird mir in heutigen Diskussionsrunden zu viel geredet und dabei zu wenig gesagt.

Wie kann man eigentlich nur solch ein Kultursnob sein wie …


ich? :-) Keine Ahnung? Ab wann ist man ein Kultursnob?

Ich fände es großartig, wenn … auf meinem Blog einen Gastbeitrag schreiben würde ...


Hier muss ich mir erst einmal Gedanken darüber machen, welche Themen ich gern als Gastbeitrag auf meinem Blog hätte. Auf Twitter folge ich einigen Literaturmenschen, von denen ich gern etwas bei mir lesen würde. Sobald ich hier mit mir selbst mal weiter bin, werde ich da gezielt fragen. Favoriten gibt es aber noch nicht.

Ich würde … gern mal fragen, ob … / Ich würde … gern mal sagen, dass …


Niemanden nichts über diesen Weg. Wenn ich etwas fragen oder sagen möchte, dann mache ich das direkt, persönlich. Und heute kann man sogar wunderbar Menschen erreichen, die man noch nicht persönlich kennt oder vielleicht auch nie persönlich kennenlernen wird.

Booktuber …


… geben mir hin und wieder bereichernde Einblicke in ihre Bücherregale, in denen ich mir gern Anregungen/Ideen für neuen Lesestoff hole.

Dieser Fragebogen …


… war eine echte Herausforderung und hat enorm viel Spaß gemacht. Ich habe einige Tage gebraucht, um durch alle Fragen durchzukommen und habe mich somit längere Zeit mit mir und meinem Blog beschäftigt. Insofern war der Fragebogen auch sehr hilfreich, da er einen Anstoß zur Selbstreflexion und zum Nachdenken gegeben hat, etwas, das für mich gerade gut passte.


update:

Der Fragebogen besteht aus insgesamt 5 Teilen - hier könnt ihr weiter lesen:

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4

Samstag, 28. November 2015

Book-Shopping ...

Die ersten drei Bücher meiner Wunschliste habe ich jetzt gekauft:

John Irving "Das Hotel New Hampshire"
E. L. Greif "Zwölf Wasser - Zu den Anfängen"
T. S. Orgel "Die Blausteinkriege I"



Ich freue mich schon darauf, obwohl ich im Moment noch nicht weiß, womit ich anfangen will. :-)

Mittwoch, 25. November 2015

Der etwas andere Fragebogen von booknerds.de - Teil 4

Endspurt, es ist fast geschafft. Heute könnt ihr die Antworten zu Teil 4 des Fragebogens von booknerds.de lesen. Und der 5. und letzte Teil lässt auch nicht mehr lange auf sich warten.


Runde 4 – Drei Dinge, die …


… das Schreiben schreibenswert machen:


- Verarbeiten des Alltages
- Spiel mit den Worten
- Ausleben der Fantasie

… Dir bei manch anderem Blog mächtig auf die Nerven gehen:


- wenn der Blog überwiegend aus rebloggten Artikeln anderer Blogs besteht und wenig Eigenens geschrieben wird
- wenn der Blog unübersichtlich, kitschig oder überladen auf mich wirkt
- wenn der Blog zu viele Werbebanner, Werbelinks verwendet

… Du Dir bei Deinem eigenen Blog schon ewig vorgenommen, aber noch nicht verwirklicht hast:


- literarischer Adventskalender (und wie es aussieht, werde ich das auch dieses Jahr nicht hinkriegen)
- mehr Infos rund ums Bücher lesen, schreiben, veröffentlichen
- Gastbeiträge integrieren (also erst einmal ein Thema definieren, jemanden suchen, der dazu etwas schreiben und bei mir veröffentlichen möchte)

… Dir das Lesen spontan madig machen:


Witzig, dass ich zuerst LEBEN und nicht LESEN gelesen habe. Was sagt mir das jetzt? :-) Okay, was macht mir das LeSen madig:

- zu viel und zu offensichtlicher „Erklär-Bär“ in Dialogen oder Zwischensequenzen (ich will auch mal selbst was recherchieren!)
- stundenlanges, detailliertes Beschreiben der Personen, ohne dass gerade Handlung passiert oder diese Infos in irgendeiner Weise für die Handlung wichtig wären
- wenn der Plot der Geschichte wie an den Haaren herbeigezogen wirkt

… Du gerne als Ausrede nutzt, nur um mehr Zeit zum Lesen zu haben:


Wenn ich lesen will, lese ich. Ausreden gibt es da nicht. Würden eh nix bringen.

… nicht so wichtig sind, wie Dein Blog:


Mein Blog ist mein Hobby, das ich pflege, wann immer ich Lust und Zeit habe. Das Bloggen passe ich also in mein Leben ein, als ein Teil davon, der mal mehr und mal weniger Platz einnimmt. So kann ich nicht wirklich etwas benennen, dass ich fürs Bloggen links liegen lassen würde. Also bleibt diese Frage eher unbeantwortet.

… Dir definitiv wichtiger sind, als Dein Blog:


- Familie
- Freunde
- Freizeit ohne PC, Tablet, Smartphone


update:

Der Fragebogen besteht aus insgesamt 5 Teilen - hier könnt ihr weiter lesen:

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 5

Sonntag, 15. November 2015

Der etwas andere Fragebogen von booknerds.de - Teil 3


Nun folgt endlich der dritte Teil des umfangreichen Fragebogens von booknerds.de. Beantwortet hatte ich die Fragen bereits Mitte letzter Woche, doch nun habe ich Zeit und Muse, sie abzutippen und online zu stellen.

Samstag, 14. November 2015

Herbsttag am Meer - und mein Meer ist der Rhein

Egal ob die Sonne scheint oder es grau und windig ist, so wie heute. Am Ufer des Rheins ist es fast wie am Meer. Dort spazieren gehen, die Schiffe beobachten und sich den Wind um die Nase wehen lassen, ist Erholung pur. Und wenn der Wind günstig steht, riecht man sogar kaum noch die Abgase der Schiffe. Hier ein paar Impressionen von heute (mit den Kamera-Einstellungen übe ich noch):

Der Rhein hat im Moment einen sehr niedrigen Pegel.

Am Strand findet man so Sachen ...

Was liegt da unter all den Kieseln?

Damit fängt man sicher nichts mehr.

Erinnert irgendwie an Bücher in einem Regal, nur ohne Regal.