Montag, 21. Dezember 2015

Rezension: Kaffeepausengeschichten Band 10 „Die Drachenburg“


„Kaffeepausengeschichten“ ist eine Kurzgeschichtenreihe des Textlustverlages.

Die Idee: In einem kleinen Büchlein werden drei Kurzgeschichten veröffentlicht, deren Leselänge einer Kaffeepause entspricht. Zu jeder Geschichte gibt es Lesetipps für das passende Ambiente, sprich wo und wann sollte man die jeweilige Geschichte lesen und was dazu bereitstellen.



In Band 10 geht es um Drachen: „Den Drachen wohnt eine urtümliche, machtvolle Magie inne, die jeder spüren kann, der ihnen nahe kommt.“ So verheißungsvoll beginnt das Vorwort des Bandes, der Geschichten von Tanja Bern, Tanya Carpenter und Guido Krain enthält. Da ich schon lange einmal etwas anderes über Drachen als „Eragon“ lesen wollte (was ich auch nur als Hörbuch kenne) und ich den Stil der drei Autoren bereits kennengelernt hatte, musste ich diesen Band unbedingt haben.

„Kupferhaars Drache“, Tanja Bern: Claire ist eine junge Frau aus dem Dorf, mit gütigem Herz, der Drachen heilig sind. Vor Schreck gelähmt beobachtet sie eines Tages, wie sechs Männer gewaltsam einen Drachen gefangen nehmen. Zurück bleibt das Jungtier, das Claire in Sicherheit bringt. Die junge Frau überlegt nicht lange und macht sich im Schutz der Nacht auf den Weg zur Burg Fahlorn, um die Drachenmutter zu befreien.

Mit ihrer bildhaften und sehr gefühlvollen Sprache versetzt Tanja Bern den Leser in eine fast schon romantische Stimmung. Liebe zur Natur und seinen Geschöpfen, Magie und Träumerei schimmern immer wieder zwischen den Zeilen durch. Claire ist eine mutige, junge Frau, die ihren Plan ohne zu zögern umsetzt. Jedoch macht es die Autorin ihrer Heldin fast schon zu einfach, ihr Ziel zu erreichen. Auch wenn das Ende recht schnell zu erahnen ist, ist „Kupferhaars Drache“ eine schöne Geschichte, die ans Herz geht.


„Der Fluch der Drachenburg“, Tanya Carpenter: Orszac, Herr der Drachenburg, will sein Volk vor dem Feind retten. In seiner Not greift er nach dem letzten Strohhalm, der im noch bleibt. Er geht einen Deal mit dem Drachen ein, der tief unter der Burg sein Dasein fristet. Er ist der letzte seiner Art, enttäuscht von der Wortbrüchigkeit der Menschen. Orszac will den Drachen bezwingen und mit ihm sein Volk zum Sieg führen. Doch ein Handel mit einem Drachen hat seinen Preis.

Wortgewaltig und bildhaft steigt die Autorin in ihre Geschichte ein. Der Spannungsbogen wächst von Seite zu Seite und schnell fiebert der Leser mit dem Helden mit, der vielleicht gar kein Held ist, sondern nur ein verzweifelter Mann, der Frieden für sein Volk möchte. Auch wenn es sich nicht unerwartet entwickelte, ist das Ende ein gerechtes Ende, das den Leser zufriedenstellt.


„Gier und Neugier“, Guido Krain: Der große und mächtige Zauberer Alorik reist mit König Ulm, seinem Gefolge und seiner Burg durch die Zeiten. Immer recht spektakulär und Furcht einflößend finden die Zeitsprünge statt. Dass Alorik gar kein Zauberer ist, sondern eigentlich Mason heißt und auch nicht so exakt durch die Zeit reisen kann, wie er möchte, erahnen seine Mitreisenden nicht. Und was Mason nicht merkt: Es könnte vielleicht einmal etwas schief laufen.

Der Autor hat eine skurrile Geschichte entwickelt, in der Fantasy, Historik und Science Fiction aufeinanderprallen. Wunderbar beschreibt er für uns Alltägliches in altertümlichen Begriffen, sobald man erkennt, was gemeint ist, muss man schmunzeln. Sein Held ist dreist und clever, nimmt sich, was er will und kriegt den Hals nicht voll. Zwar ahnt man, wo das enden muss, dennoch ist der Schluss verblüffend genial.

Insgesamt ist die Geschichtenreihe „Kaffeepausengeschichten“ eine gute Idee für kurz mal zwischendurch in andere Welten abtauchen. Das Thema „Drachen“ haben die drei Autoren sehr unterschiedlich in Angriff genommen und bieten im Band 10 damit einen sehr abwechslungsreichen Lesegenuss.


Kaffeepausengeschichten Band 10
"Die Drachenburg"
Autoren: Tanja Bern, Tanya Carpenter, Guido Krain
TextLustVerlag 2013
ISBN E-Book: 978-3-943295-84-9